Mannheim: Von Bürgerstolz und moderner Technik

Am vergangenen Wochenende, bei der „Langen Nacht der Museen“ im Rhein-Neckar-Dreieck, wurde er wieder einmal sehr schön in Szene gesetzt: Der Mannheimer  Wasserturm, eigentlich nichts weiter als ein Hochbehälter zur Speicherung von Wasser, ist das Wahrzeichen der Stadt und hat seit über hundert Jahren seinen Platz im Herzen der Mannheimer.

Wasserturm in Mannheim bei der Langen Nacht der Museen 2012

Noch immer imposant: Der Wasserturm in Mannheim bei der Langen Nacht der Museen 2012

Der Wasserturm selbst wurde 1889 fertiggestellt. Erst später folgte die Anlage des gesamten Platzes. Zu der ausdrücklich repräsentativ gewünschten Gestaltung des Bauwerks war ein Wettbewerb ausgeschrieben worden. Der Standort war zwar auch  von praktischen Überlegungen bestimmt, lag aber in Bezug zur Innenstadt auf einem ähnlich zentralen Punkt wie das Mannheimer Schloss und zeigt die Bedeutung, die diesem ja im Grunde rein technischen Bauwerk zugemessen wurde.

Diese herausragende Stellung  verdankt der Wasserturm einerseits seiner Funktion: Er versorgte (übrigens noch bis ins Jahr 2000) die ständig wachsende städtische Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser und beugte so Epidemien vor, die in den beengten Industriestädten damals an der Tagesordnung waren.

Mit dem Wasserturm setzten die Mannheimer aber auch ihrem Bürgersinn selbstbewusst ein Denkmal. Sie bejahten damit eine moderne, städtische Lebensweise – und bedienten sich dabei mangels neuer Konzepte der höfischen Formensprache des Barock, die auch allgemein in der gründerzeitlichen Architektur wieder auflebte.

Und heute? Der Wasserturm samt neobarockem Dekor ist immer noch attraktiv. Wo sind eigentlich unsere aktuellen symbolträchtigen Technik-Bauten?

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