Oscar Niemeyer: Architektur aus Beton – wider den Funktionalismus

Niemeyer Strand geschwungene Linien

Oscar Niemeyer: Kurven und Rundungen der Natur als Vorbild

Wie ein Nachruf klang die Feststellung des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ im Jahr 2007 „Nie wieder wird die Zukunft so gut aussehen wie mit den Bauten des Brasilianers“. Dabei wurde Oscar Niemeyer damals gerade erst einmal 100 Jahre alt und hatte sein letztes Werk noch längst nicht geschaffen. Unter anderem steckte er gerade in den Planungen für einen  gigantischen Obelisken im Zentrum von Brasilia, der brasilianischen Hauptstadt, zu deren Bau er als Architekt und Chef des staatlichen Bauamtes einst wesentlich beigetragen hatte. Der Obelisk sollte hundert Meter hoch werden, wurde unter anderem aus Geldmangel jedoch dann nicht realisiert. Pikant war damals, dass der gesamte Komplex, zu dem auch futuristische Kuppeln und angegliederten Wohnblöcken gehörten, auch aus denkmalschützerischen Überlegungen kritisiert worden war. Der Vorwurf war, die neuen Gebäude verschandelten die Stadt Brasilia (seit 1987 Weltkulturerbe) – dabei war doch deren Gesicht von Niemeyer maßgeblich geprägt worden. Aber Niemeyer hatte sich inzwischen von dem städtebaulichen Projekt der 1960er Jahre distanziert. 2001 urteilte er über die Stadt Brasilia: „Dieses Experiment war nicht erfolgreich.“

Hatte Niemeyer seine ersten Arbeitserfahrungen in der Zusammenarbeit mit Le Corbusier gemacht, als er 1936zum Team für den Neubau des brasilianischen Erziehungsministeriums in Rio gehörte, so fand er bald zu einer ganze eigenen Auffassung der Architektur. Nicht mehr der rechte Winkel, sondern die geschwungene Linie wurde für Oscar Niemeyer zum die Gestaltung bestimmenden Faktor. Oscar Niemeyer sagte: „Das ganze Universum ist aus Kurven gemacht“, und bezog sich damit sowohl auf das gekrümmte Universum Einsteins als auch auf die „Biegungen unserer Flüsse, der Wolken des Himmels, des schönen weiblichen Körpers.“

Seit den 1940er Jahren faszinieren die Bauten Niemeyers Architekturfans in aller Welt mit Konstruktionen, die mit modernen Baustoffen und Techniken dem Funktionalismus eine Absage erteilen. Beton wird bei Niemeyer zum Material für ebenso organisch wie futuristisch wirkende Gebilde. „Man muss gegen die funktionalistische Architektur ankämpfen, die sich des armierten Betons bedient, um rechtwinklige und öde Räume zu gestalten“, lautete das Credo von Oscar Niemeyer. Dass Beton mehr kann, bewies er unter anderem mit Gebäuden wie der Kathedrale von Brasilia (1970), dem Edificio Copan in Sao Paolo (1957-66) oder dem Novo Museu in Curitiba (2002).

Mitunter konnte auch Niemeyer der geraden Linie nicht ausweichen. Bei seinem Entwurf etwa für ein Wohngebäude im Hansaviertel in Berlin anlässlich der Internationalen Bauausstellung 1957, entschloss er sich dazu, das Haus auf Stelzen zu stellen und einen dreieckigen Fahrstuhlturm wie einen mittelalterlichen Glockenturm neben das Haus zu stellen.

Niemeyers Einfluss ist noch heute wirksam. Zaha Hadid, eine der prominentesten Vertreterinnen des Dekonstruktivismus, nennt ihn zum Beispiel als wichtige stilistische Bezugsgröße für ihr eigenes Werk.

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