Bismarckpalme auf Sansibar

In den Ruinen des Mtoni-Palasts auf Sansibar steckt in der Rasenfläche ein kleines, handlackiertes Schild:

Bismarckpalme Mtoni Palast

Schild der Bismarckpalme im Mtoni-Palast, Sansibar

Zahllos ist die Reihe der Bismarcktürme und anderer Bismarckdenkmäler natürlich in Deutschland. Hier mag man auch die eine oder andere Bismarckeiche antreffen, manchmal sogar als leckere Schoko-Biskuitrolle. Die Bismarckpalme nun aber?

Ein merkwürdiges, spätes Relikt des Kolonialismus – schließlich muss das Schild nach jedem Rasenmähen wieder sorgsam in die Erde gespießt werden. Und ohne Schild ist auch die stattlichste Palme kein Denkmal mehr.

Aber erstes googeln zeigt: Bismarckpalme heißt eine auf Madagaskar heimische Palmenart. 1878 folgte der deutsche Botaniker Johann Maria Hildebrandt dem Trend der Zeit und verlieh dieser Pflanze im Zeichen der  Bismarckverehrung den Namen Bismarckia nobilis. So wurde die ganze Pflanzengattung zum Denkmal.

Bismarckpalme in den Mtoni-Ruinen

Die Bismarckpalme (Bismarckia nobilis) wird bis zu 25 m hoch und hat blaugraue, fächerförmige Blätter. Das Bild zeigt das Exemplar in den Mtoni-Ruinen auf Sansibar. Rechts sieht man im Rasen das Schild stecken.

Und diese individuelle Palme in den Ruinen des Mtoni-Palasts auf Sansibar? Ist sie als Denkmal oder nur aus botanischem Interesse gepflanzt und beschildert worden?

Keine der anderen Pflanzen in der Grünanlage ist mit einem vergleichbarer Beschriftung versehen worden. Es fehlt auch der in botanischen Gärten übliche wissenschaftliche Name. Also doch ein Bismarckdenkmal für Sansibar?! Der Blick in die Geschichte zeigt, dass ein Bismarckdenkmal im Palastgarten gar so abwegig nicht wäre.

Im Jahr 1844 nämlich wurde in dem Palast die omanisch-sansibarische Prinzessin Salme geboren, die später unter dem Namen Emily Ruete bekannt wurde. Prinzessin Salme lernte den deutschen Kaufmann Heinrich Ruete kennen und lieben –  eine Heirat mit war aus religiösen Gründen ausgeschlossen. Sie wurde schwanger und musste aus Sansibar fliehen, um einer harten Strafe zu entkommen.  Sie ließ sich auf den Namen Emily taufen und heiratete den deutschen Kaufmann.

Emily Ruete erhob Anspruch auf ihre nach der Flucht enteigneten Besitzungen in Sansibar. Bismarck wollte den Fall für seine kolonialistischen Absichten nutzen. Zweimal, 1885 und 1888, schickte er Emily Ruete mit deutschen Beamten nach Sansibar, das er als deutsches Protektorat ansah – ohne jedoch viel für Emily ausrichten zu können. Nachdem die Ansprüche auf Sansibar vom Deutschen Reich gegen den Willen Bismarcks aufgegeben worden waren (im sogenannten Helgoland-Sansibar-Vertrag), kehrte auch Emily nicht mehr nach Sansibar zurück. Sie starb 1924 in Deutschland. Heute wird das Andenken an Prinzessin Salme auf Sansibar sehr gepflegt, unter anderem durch eine ständige Sonderausstellung im Palastmuseum in der Altstadt.

Durchaus möglich also, dass die Palme in den Ruinen noch heute an die erfolglose Allianz zwischen der Ex-Prinzessin und Bismarck erinnern soll.

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